Paintball Basics für Larry #4: Smokes

Du hast dir gerade einen Paintball-Markierer gekauft oder warst vielleicht einmal spielen? Oder noch gar nicht? Du hast zwar eine Ausrüstung aber noch gar nicht so richtig verstanden was das ganze Drumherum so soll? Dieser Artikel ist für dich!

Wie, du heißt gar nicht Larry? Das macht gar nichts. Man kann auch aus den Fehlern von anderen lernen - und dafür gibt es Larry. Wir waren auch alle mal wie Larry!

Dieser Artikel ist auch für alle die, die Larry zum ersten Mal mit aufs Feld nehmen. Man muss ihm nämlich doch ein paar Sachen erklären, bevor es losgeht. In dieser Serie wird daher mal alles von null erklärt, was dieses "Paintball" eigentlich ausmacht. Das muss einem ja alles erstmal jemand sagen.


Es ist nicht so, dass man danach schon alles weiß, aber irgendwo muss man ja anfangen.

Heute also: Rauchgranaten / Smokes!

gif

Über Smokes stolpert jeder Anfänger früher oder später, der sich im Forst herumtreibt. Meistens sitzt man in einer hoffnungsloos verfahrenen Situation, kein Weiterkommen möglich. Doch da kommt er: Der Operator, ein Halbgott in Multicam. Geschickt zückt er einen Wurfkörper und schmeißt diesen in Richtung Gegner. Es strömt Rauch über das Feld und macht es dem gegnerischen Forst Streich-Sniper und seinem 21 Zoll Lauf schwierig, sein Ziel zu erspähen. Und schon wird der langersehnte Vorstoß möglich und unser Idol führt sein Team zum Sieg.


"Wow, sowas muss ich auch haben. Aber woher, was und wie?"

Easy, Larry. Verzage nicht:

Erstmal was Urdeutsches: Grundlagen schaffen!


"Eine Rauchgranate, auch Nebelgranate, Nebelkerze, Nebelwurfkörper, Nebelbombe oder Nebeltopf genannt, ist eine Granate, die eine starke Rauch- oder Nebelentwicklung erzeugt und als Rauch- oder Signalmittel eingesetzt wird. Eine Explosion findet in der Regel nicht statt, sondern die Ladung brennt – unter einer starken Rauchentwicklung – langsam (pyrotechnisch) ab. " Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rauchgranate


"Aber ein Feuer, Wald und Wiese sind doch eine gefährliche Sache!" - Ja Larry, da hast du recht. Deswegen sollte man nur kalt brennende Nebelwurfkörper benutzen, die anders als ihre militärischen oder maritimen Verwandten, ohne äußere Flamme auskommen und somit das Brandrisiko deutlich reduzieren. Aber ACHTUNG: "kalte Verbrennung" heißt nicht, das das Ding nicht heiß wird, oder keine Funken erzeugen kann. Beim Zünden entstehen üblicherweise Funken und während des Abbrennens können Temperaturen von bis zu 90 Grad, und an der Düse von bis zu 130 Grad entstehen.

Gefahr im Verzug: 90 Grad auf einer Wiese

Hier können die Rauchgranaten verschiedene Hersteller variieren, die Angaben oben kommen von Smoke-X . Hier ist Eigenverantwortung gefragt, um möglichst keinen Flächenbrand auszulösen. Angenommen, du hörst seit Tagen nur von Waldbränden in deinen Breitengraden? Speck Ops Tipp: Heute ist kein guter Zeitpunkt für deine wohlplatzierte Smoke. Tatsächlich hat hier letztendlich der Spielfeldbetreiber das letzte Wort. Informier dich, BEVOR du mit einem Einkaufswagen voller Rauchware am Feld einläufst, ob: - Rauch (an diesem Spieltag) überhaupt erlaubt ist.

- eigener Rauch oder nur am Feld gekaufter Rauch erlaubt ist.

- bestimmte Rauchfarben nicht verwendet werden dürfen.


gif

"Nix darf man. Aber kann ich meinen Mitspielern jetzt das Zeug in die Fresse werfen?" Gut, dass du fragst! Disclaimer: Wie immer gilt: Wir geben hier keine Rechtsberatung, weil wir nicht können, dürfen oder wollen. Lies die Gesetze selbst, hier kann kompletter Bullshit stehen.

Dinge, die man Mitspielern in die Fresse werfen darf Wenn du es genau wissen willst: In der Artikelbeschreibung des Shops deines Vertrauens sollte eine Registrierungsnummer, zum Beispiel "0589-P1-0628" (grüne Enola Gaye Wirepull) stehen, die du dann etwa mit dieser Liste (Überschrift: "EU-Baumusterprüfbescheinigungen für sonstige Pyrotechnik der Kategorie P1") abgleichen kannst. Da die Nummer auf der genannten Liste steht, folgt:

Es handelt sich wohl um einen "pyrotechnischen Gegenstand" , eine Unterkategorie der "explosionsgefährlichen Stoffe", der Kategorie P1: dem Gesetz nach "pyrotechnische Gegenstände, von denen eine geringe Gefahr ausgeht, außer Feuerwerkskörpern und pyrotechnischen Gegenständen für Bühne und Theater" (SprengG, Abschnitt I, §3a(1)). Erkennt man wohl schon an der Registrierungsnummer, wenn man spitzfindig ist!


Wenn du also volljährig bist, dann Glück gehabt, denn: "Personen unter 18 Jahren dürfen explosionsgefährliche Stoffe, außer pyrotechnische Gegenstände der Kategorie F1 oder in den Fällen des Absatzes 1 Satz 3, nicht überlassen werden." (SprengG Abschnitt I, §22)


Dazu kommt: Lasst im Zweifel irgendwelche Dinger aus dem Ausland über der Grenze, sonst: Ordnungwidrigkeit. (SprengG, Abschnitt 1(1).1d § 41)


Erkennen kann man Rechts- und Gesetzestreue auf einer handelsüblichen Smoke am guten alten CE-Kennzeichen. Das sagt aus, dass der damit gekennzeichnete "pyrotechnische Gegenstand" den gesetzlichen Vorgaben entspricht (die so genannte "Konformitätsprüfung" erfolgreich durchlaufen hat) und innerhalb der EU in Umlauf gebracht werden darf (SprengG, Abschnitt I, §3(4) sowie SprengG, Abschnitt I, §5(1), SprengG Abschnitt I, §16, Stand jeweils Januar 2020). Somit musst du im Normalfall keine Angst um deine Finger haben. Smokes ohne dieses Kennzeichen sind in Deutschland nicht legal. Wir gehen mal davon aus, dass niemand mehr Smokes von vor 2009 rumliegen hat. Falls doch, kann man ja mal SprengG Abschnitt X, § 47 (Übergangsvorschriften) lesen.


Gut, dann sind wir jetzt vermutlich schon mal legal unterwegs, aber noch lange nicht in Sicherheit. Auch eine Mikrowelle hat eine CE-Kennzeichnung, trotzdem sollte man nicht bei laufendem Betrieb seinen Kopf rein stecken. Und das können wir auch auf unser Thema übertragen: Der Rauch einer im Handel erstandenen Smoke ist sicher ungefährlicher als der von den selbst gebastelten Varianten (zu den kommen wir später noch), aber gesundheitlich trotzdem nicht unbedenklich. Man sollte vermeiden, den Rauch tief zu inhalieren und zu lange in ihm zu bleiben.

Wie sagt es die schöne EU-Baumusterprüfbescheinigungsliste (s.o.)? "Der Mindestsicherheitsabstand in Richtung des Effekts beträgt 0,5 m. Rauch nicht einatmen. Nur im Freien verwenden. Geeignete Schutzkleidung ist zu tragen."


Im Freien ist das also weniger problematisch, außer man verwechselt die Smoke mit einem Kopfkissen. Aber in Gebäuden sind nach ein paar Minuten vermutlich leichte Atemwegsreizungen, Kopfschmerzen und eine abenteuerliche Farbpalette beim Schnäuzen vorprogrammiert. Das haben wir für dich ausprobiert, Larry. Da kann man nur hoffen, dass ein Mitspieler die passenden Globuli dagegen in der Reiseapotheke hat. Verlasse den Rauch und wende dich vertrauensvoll an deinen lokalen Speck Operator. Es ist wie bei allen Räucherwaren, man sollte sich das nicht dauerhaft reinziehen. Das macht dumm und/oder krank. Und dümmer sollte nur werden, wer sich es leisten kann, nicht wahr?


Gut.

Was bisher geschah: Wir haben keinen Brand ausgelöst, noch alle Finger und niemanden qualvoll ersticken lassen. Klingt doch gut. Jetzt kommt aber der härteste Teil...


Die Qual der Wahl

Und Boiiiiiii ist das eine Qual. Es gibt Dicke, Dünne, Kleine, Große. Grüne, Gelbe, Rote, Blaue, Violette, Weiße, Schwarze. Mit einem Loch, mit zwei Löchern, mit einem dicken Loch. Zum ziehen, zum Reiben. Von Hersteller A-Z.... Das kann erstmal überfordern, aber erstmal in gut belüfteter Umgebung durchatmen.


Natürlich kann man sich für einen größeren Obolus Smoke kaufen, die einer Erasco Dosensuppe aus der Heimkantine gleicht und Europa mit einer Wand aus Rauch überzieht. Doch nicht jeder will eine Tagesfeldgebühr in ein Einweg-Ausrüstungsstück stecken oder hat die Muckis, um diesen Kaventsmann weiter als 50cm übers Feld zu befördern.


Drum prüfe, wer sich einweg bindet: Was passt in eventuell vorhandene Taschen, und kann in ausreichender Stückzahl am Mann verbracht, sowie über den Luftweg aufs Feld befördert werden? Und schon ist man am Sweet Spot: Die etwa Deodosen-großen Modelle (40mm Durchmesser). Diese besitzen genug Chemie, um ordentlich Rauch zu erzeugen, aber sind gut zu transportieren und zu werfen.


Auch innerhalb unserer gewählten Gewichtsklasse gibt es aber noch Unterschiede in Zündmethode, Brenndauer, Rauchentwicklung und Farbe.

Zunächst mal die Zündmethode:

Der Klassiker ist der Reibekopf. Kappe ab, Reibefläche an der Kappe an der Lunte ansetzen und lässig aus dem Handgelenk zünden. Einfach und billig. Hier können verlorene Zündkappen oder Nässe den Spaß vermiesen, also trocken halten und erst die Kappe abnehmen, wenn sie gebraucht wird. Alternativ kann man auch eine feste Reibefläche an seiner Ausrüstung anbringen. In einer nässegeschützten Tasche ist das dann schon großes Tennis.


Die nächste häufig anzutreffende Zündmethode ist die sogenannte "Wirepull", was nichts Anderes ist als ein Draht mit einem Ring dran. Zieht man dort kräftig zur Seite (hörst du, Larry?), wird man mit einem befriedigenden Zischen und Funkeln belohnt. Eine Fehlerquelle ist hier das Ziehen nach oben, was zum Verlust der Zündvorrichtung führen kann, ohne dass die Smoke zündet. Klares Don't in dieser Saison!

Ansonsten sind diese Vertreter sehr witterungsbeständig, sofern die Schutzkappe zur Stelle ist.


Eine im Paintballsport neue und eher exotische Methode ist dem echtem Vorbild nachempfunden: Ein Bügel mit Splint. Speck Ops Urteil: Zu teuer und nicht nötig. Aber ein gelungenes It-Piece für alle echten Operator.

gif

Auf eine einsame Paintball-Insel würden wir wahrscheinlich eine Wirepull mitnehmen, insbesondere natürlich bei amphibischem Betreten derselben. Als Nächstes werden Brenndauer und Rauchentwicklung im Duo abgefrühstückt. Die beiden gehen Hand in Hand, wenn die Größe gleich bleibt. Es gibt Smokes mit zwei Austrittsöffnungen, die schneller viel Rauch entwickeln, aber nur 20-30 Sekunden brennen (etwa die Enola Gaye Burst). Dagegen brennen Smokes derselben Größe, die nur eine Öffnung besitzen, mit circa 90 Sekunden deutlich länger, erzeugen aber nicht so schnell eine vergleichbare Rauchmenge. Kurz gesagt: Es ist gleich viel potentieller Rauch drin, aber die Zeit, in der er abgegeben wird, variiert.

Auf dem Feld eilt es manchmal. Daher sind wir im Zweifel Fans der Burst.


"Boah ey, jetzt raucht mein Kopf aber auch." - Kein Problem, Larry. Zum Runterkommen folgt jetzt der Teil, den du noch aus dem Hort kennst: Farben! Da gibt es so ziemlich Alles, was das Herz begehrt. Ob deine Lieblingsfarbe dabei ist? Lies schnell weiter!

Man sollte hier eher auf besondere Regeln des Feldes oder der Veranstaltung achten, da manche Farben oft für Spielelemente reserviert sind, typischerweise grün. Also lieber was anderes. Manche Farben brennen übrigens leicht länger als andere. Das liegt an den Chemikalien, die die Farbe erzeugen. Aber das lassen wir heute mal. Zum Schluss muss das gesammelte Wissen noch in die Tat umgesetzt werden: beim Einkauf!

gif

Jetzt geht's richtig loos beim Dealer unseres Vertrauens:

Am Besten in größeren Mengen bestellen, das drückt den Preis. Jeder hat da seine eigene Schmerzgrenze, aber bei etwa fünf bis sechs Euro liegt eine im Speck Ops Team. Sammelbestellungen sind daher hier oft die beste Wahl. Ansonsten in den einschlägigen Shops kucken, das Gelernte anwenden und auf der legalen Seite bleiben. Einkäufe auf dem Feld freuen den Betreiber, aber nicht deine Brieftasche. Selten ist eine Smoke so geil, wie ein Zehner für den Feldbetreiber suggerieren könnte. Aber vielleicht willst du auch hart dein lokales Feld supporten, dann deck dich ruhig dort ein.

Eigenbau "Auf Youtube hab ich aber gesehen, dass ich die auch selber bauen kann. Man braucht nur Salpeter, 12 Tennisbälle, 5l Diesel, ein Gummihuhn und 20kg Kunstdünger. Das tut man alles in einen Schnellkochtopf und lässt auf kleiner Flamme 3h köcheln"* - Lieber Larry, wenn dir deine Gesundheit, Wohnhaus und Finger lieb sind, lass es. Es zeigt sich, dass selbstgebautes oft enttäuschend oder schlichtweg gefährlich ist, und dein Chemielehrer ist auch nicht anwesend. Und da du die Dinger nicht dir selbst, sondern jemand anderem vor die Füße wirfst, solltest du da zwei mal überlegen. Und dann nochmal. Und wenn du dann noch immer denkst, dass das geil ist, dann lass es einfach. "Das Ganze Nachdenken umsonst."


*Disclaimer an alle echten Larrys: Das ist kein echtes Rezept, höchstens als lebensverkürzende Maßnahme. Nicht nachmachen!!!



Was macht man jetzt mit dieser Smoke?

Puh, das war schon ganz schön viel jetzt. Kurzfassung: Schmeißen! Langfassung: Vielleicht gibt's ja bald mal einen Taktikartikel.

Bis bald Larry!


188 Ansichten

©2019 by Speck Ops. Fotos by M.I.R.

Impressum

  • Weiß Facebook Icon
  • Weiß YouTube Icon
  • YouTube - Weiß, Kreis,